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Wertpapiere in Polen


profitieren vom EU-Beitritt und dem Aufschwung im Land

Polen hat in den letzten Jahrhunderten äußerst turbulente Zeiten erlebt. Über ein Jahrhundert lang war es, aufgeteilt zwischen Österreich, Russland und Preußen, sogar ganz von der Landkarte verschwunden. Eine Phase der Unabhängigkeit folgte in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen, bevor Polen nach dem Zweiten Weltkrieg von Sowjetrussland und dem Kommunismus heimgesucht wurde. Erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs erlangte Polen, wie die meisten anderen osteuropäischen Staaten, wieder die Unabhängigkeit. Dass solch wechselhaftes politisches Schicksal nicht spurlos am Finanzmarkt eines Landes vorbeigehen kann, ist nachzuvollziehen. Zumal der Finanzmarkt in einem kommunistischen System nach eigenen Gesetzen funktioniert bzw. von einem Finanzmarkt im eigentlichen Sinne kaum die Rede sein kann.
Da in einem kommunistisch geführten Land die klassenlose Gesellschaft angestrebt wird und die zentrale Planwirtschaft das Gebot der Stunde ist, wurde Privateigentum oder gar Reichtum des Einzelnen abgelehnt. Private Betriebe oder Unternehmen gab es kaum oder gar nicht, stattdessen waren die Unternehmen verstaatlicht. Institutionen, die privates Vermögen hätten fördern können, wurden konsequenterweise abgeschafft. So blieb die bereits 1817 gegründete Wertpapierbörse in Warschau während der Nachkriegszeit geschlossen. Denn Wertpapiere, die ja einen Kapitalgewinn erzielen sollen, passten nicht ins Bild einer auf Kollektivismus und Gleichmacherei beruhenden Gesellschaftsform.
Nach dem Niedergang des Kommunismus wurde in Polen sowie in anderen ehemaligen "Ostblockländern" ein moderner Finanzmarkt nach westlichem Vorbild aufgebaut. Der nach dem damaligen Finanzminister Polens benannte Balcerowicz-Plan brachte elementare Neuerungen, wie zum Beispiel die Umtauschbarkeit der Landeswährung Zloty oder die Freigabe der Preise, die bis dahin von der Regierung festgesetzt worden waren. Im Hinblick auf Wertpapiere ist das Jahr 1991 von Bedeutung, denn in diesem Jahr nahm die Wertpapierbörse in Warschau ihren Betrieb wieder auf. Während 1991 nur eine Hand voll Gesellschaften notiert waren, hat die Börse für Wertpapiere über die Jahre hinweg eine stete und rasche Weiterentwicklung erfahren. Acht Jahre später wurde bereits die 200. Gesellschaft notiert. Wertpapiere spielen somit mittlerweile eine immer größer werdende Rolle in Polen. Dank des Unternehmertums der Polen sowie der Privatisierung staatlicher Unternehmen wuchs und wächst die Zahl der potentiell börsennotierten Unternehmen an.
Gekoppelt ist diese gute Entwicklung im Bereich der Wertpapiere an die grundsätzlich gute Entwicklung der Finanzmärkte in Polen. Dabei profitiert Polen von seiner geografischen Lage in Europa. Wurde diese dem Land in den vergangenen Jahrhunderten oft zum Verhängnis und Polen zum Streitobjekt zwischen Russland und Deutschland, so bringt die geografische Lage im friedlich geeinten Europa unserer Tage eher eine Vermittlerposition mit sich. Warschau wurde daher zu einem der Kapitalzentren des östlichen Europas, was sich im regen Börsenhandel der Warschauer Wertpapierbörse zeigt, aber auch an der hohen Dichte an inländischen und ausländischen Banken, die in Warschau ihre Zentralen haben.
Positiv auf Wertpapiere wirkte sich auch der Beitritt Polens zur Europäischen Union im Jahr 2004 aus. Denn Wertpapiere finden nur ihre Anhänger, wenn die Anleger vertrauensvolle Unternehmen und konstante politische Gegebenheiten vorfinden. Der Beitritt zur EU hat Polen somit auch in Sachen Wertpapiere zu einem berechenbaren und verlässlichen Partner gemacht. Der Aktienmarkt in Polen legte im Jahr 2006 um etwa 40% zu und zeigt so eindrucksvoll das hohe Performancepotenzial vor allem der Börse in Warschau. Dies dürfte mit ein Grund dafür sein, dass sich sowohl unter den Ausgebern von Wertpapieren als auch unter den Anlegern ein hoher Prozentsatz an ausländischen Investoren befindet.


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